Wie mich das Leben wieder daran erinnerte, wie gern ich mich habe.

Manchmal steckt man mehr Kraft in eine Sache als andere es tun. Vielleicht weil es einem wichtig ist, was passiert – dass etwas tolles passiert. Vielleicht weil es einem im Blut liegt, Dinge mit vollster Herzenskraft anzugehen. Mit einer Art, die so klar und nahbar ist, intuitiv und auf eine gute Art kindlich, kann man alles gewinnen. Und alles verlieren, denn es gibt kein Hintertürchen. Da ist kein zweiter parallel fahrender Zug auf den man in letzter Sekunde auch noch aufspringen könnte. Man geht aufs Ganze, volles Risiko. Vollstes Vertrauen und ganzheitliche Energie. Das bringt Erfüllung und Wahrhaftigkeit. Und manchmal pure Enttäuschung. Doch auch diese Erfahrungen öffnen wieder Türen. In meinem Fall war es die Tür zu mir selbst und es fühlt sich gut an, für sich einzustehen.

In dem Moment in dem du aufgrund anderer an dir zweifelst, glaubst du einer anderen Wahrheit mehr als deiner eigenen.

Ich hatte lange das Gefühl ausbrechen zu müssen, meinem Leben eine neue Richtung zu geben, meine Richtung. Raus aus der Abhängigkeit, rein in meine eigenen Entscheidungen. Das habe ich geschafft, denn ich war überzeugt. Überzeugt davon, dass ich das kann, dass ich meinen Weg gehe. Jeder Tag war bunt und wunderschön. Ich hatte meine grau gefärbte Weste gegen eine neue weiße getauscht und nichts hätte sie je wieder beschmutzen können. Monat für Monat verging und jede Situation die mich geärgert oder verletzt hat, schien diese weiße Weste wieder grau werden zu lassen. Wunden, die noch nicht geheilt waren, kamen ans Licht, Menschen gingen aus meinem Leben, es gab Streit. Und man darf sich ärgern. Man darf sauer sein und enttäuscht und man darf sich fragen, warum das alles so gekommen ist. Ich habe gelernt, mich zu entschuldigen wenn ich einen Fehler gemacht habe und gleichzeitig für mich selbst einzustehen. Mich nicht für mich zu entschuldigen. Wenn ich meine Werte in jeder Situation nach außen trage bin ich mir treu. Dann stehe ich zu mir und meiner Wahrhaftigkeit.

Wenn du mit 80 Jahren deine Geschichte erzählst, wie soll diese Geschichte klingen?

Und plötzlich habe ich verstanden, dass ich diese weiße Weste gar nicht will. Eine weiße Weste bedeutet Langeweile und Gleichgültigkeit. Aber ich will Abenteuer. Ich möchte aus vollstem Herzen lachen und lieben. Ich möchte den falschen Menschen begegnen um die richtigen wieder zu schätzen. Ich darf fallen um danach wieder aufzuspringen und vor Freude zu tanzen. Ich kann weinen um meine Seele wieder sauber zu wischen und meine Entscheidungen treffe ich aus voller Überzeugung. Denn ich kann nur gewinnen. Meine weiße Weste auf die ich so stolz war ist also nicht mehr weiß. Sie ist jetzt bunt bemalt und vollgekleckst, und in 60 Jahren wird sie ein riesiges Farbenmeer sein, denn ich lebe. Wild, laut und luftig.

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